typisch Mann, typisch Frau

 


zum Thema Beziehung

Gleich zu Hause, duschen, ein Bierchen für den Anfang und dann das Finale. Er freute sich auf den Abend. Er hatte extra noch einige Biere heute früh in den Kühlschrank gelegt.

Sie stand vor dem Spiegel und betrachtete sich. Das kleine schwarze stand ihr immer noch, betonte ihre schlanke Figur. Der Tisch war gedeckt , mit Kerzen dekoriert. Das Bier hatte sie gegen Sekt ausgetauscht, was dachte er sich, Bier an einem solchen Tag, typisch Mann.

"Huhu, ich bin da", er stand im Flur und hängte die Jacke an, kam ins Esszimmer und stutzte.
"So viel Arbeit hast du dir gemacht, Schatzi, für das Finale . Mein Engel , einige Biere hatte ich schon kaltgestellt und ne kalte Platte hätte es auch getan."

Sie kam ins Zimmer, ihre Augen funkelten. Er sah sie an und dachte angestrengt nach, irgendetwas musste er vergessen haben.

"Finale", fauchte sie, "etwa wieder Fußball?. Finale...", sie schnaubte, "heute ist unser Hochzeitstag, der 7."

Sie lief ins Schlafzimmer, zog das Kleid aus, schlüpfte in ihre Jeans, zog das schlabbrige T-Shirt über und stürzte aus der Wohnung. 

"Kannst deinen blöden Fußball alleine sehen..." fauchte sie noch, dann fiel mit lautem Knall die Tür ins Schloß.

Er stand bedröppelt da. Hochzeitstag, heute...? War der nicht erst nächste Woche?
Egal, sie würde wiederkommen, er kannte sie lange genug.

"Sekt zum Fußball, typisch Frau....", brummte er, als er ein Bier aus dem Kühlschrank nehmen wollte.
Die Biere wanderten ins Tiefkühlfach, in 10 Minuten war Anstoß.

Wie lange lief sie jetzt bereits durch den Park, sie wußte es nicht mehr. Sie hatte viel nachgedacht, über ihre Ehe, sich und ihn. Ob es stimmte, daß das 7. Ehejahr das schlimmste sei? Früher war es Liebe , heute Gewohnheit. 

Es war dunkel und sie fröstelte, nahm auf einer Bank Platz und ließ ihren Tränen freien Lauf.

"Wer wird denn hier weinen", eine ruhige Stimme neben ihr ließ sie aufsehen. Es war der junge Mann, der sie im Supermarkt schon mehrfach angelächelt hatte und ihr jetzt ein Taschentuch reichte.

"Danke", schniefte sie.

Er legte seine Jacke um sie und setzte sich, sah sie nur an.

"Fußball, immer nur Fußball, " sie schluchzte schon wieder, " sogar unseren Hochzeitsttag heute hat er vergessen wegen diesem dämlichen Finale. Wenn er wenigstens selber spielen würde, aber nein, der Herr hat es da, und dort zwickt es auch, ist noch nicht mal Mitte 30 und jammert wie ein 70-jähriger. Nur der Bierbauch wächst unaufhörlich, jeden Abend braucht er das Gesöff, dann liegt er schnarchend neben mir und nix passiert. Bin ich wirklich so unattraktiv?"

Sie sah den jungen Mann erschrocken an. 

"Warum erzähle ich Ihnen das eigentlich alles, ich kenne sie doch gar nicht, Entschuldigung..."

Er lächelte und legte sanft den Arm um sie. 

" Weil es raus musste aus Ihnen, weil es Ihre Seele belastet hat", antwortete er leise. 
"Sehen Sie die Sterne dort am Himmel. Suchen Sie sich einen aus, der nicht so hell leuchtet. Das sind Sie im Moment, unsicher und unglücklich. Sehen Sie diesen Stern in 2 Monaten nochmal an, Sie werden merken, daß er heller leuchten wird, er wird strahlen, weil Sie auch wieder glücklicher sein werden."

Sie hatte den Kopf auf seine Schulter gelegt und genoß dieses Gefühl, es war beängstigend und beruhigend zugleich. Noch lange saßen die beiden auf der Bank und beobachteten den sternenfunkelnden Himmel.






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