erste Kindheits-Erinnerung



Text zum Buch 'mein Paradies der Hölle'
Band I - 'ElternMord'


Mein Alter irgendwo um drei Jahre herum.

In dem Haus in dem wir lebten kam man, wenn man zur Haustür herein kam, in den Flur. Dort auf der rechten Seite, direkt neben der Haustür, fing die Treppe zum ersten Stock mit dem Kinder- und Schlafzimmer an.

Eine Treppe, die zwar sehr steil, aber sonst eine normale 08/15 Treppe war. Nach ein paar Stufen ging sie im Viertelkreis nach links weiter hinauf. Auf den Stufen der Treppe befand sich, wie es damals so üblich war, ein roter Kokosläufer mit Teppichstangen an den Stufen befestigt, und der reichte von ganz unten bis nach ganz oben.






Mein Vater war ein ziemlich großer Mann und das nicht nur aus meiner Zwergensicht. Damit verfügte er natürlich auch über eine ziemlich große Schuhgröße.

Das war ein Riesenglück für mich.
Wie es so war, und auch heute noch bei mir üblich ist, wurden im Haus natürlich Hausschuhe getragen. Da Männer ja gewöhnlich auch Pantoffelhelden genannt werden, ist es fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass mein Vater ein Paar riesige Pantoffeln 'sein Eigen' nannte.
Diese standen, wenn er 'auf Arbeit war', friedlich im Flur vor sich hin.


Na ja, bis ich eines Tages durch Zufall sah, wie er mit den Pantoffeln an dem Füssen auf dem Weg nach unten, auf der Treppe ins rutschen kam und sich erst einige Stufen später wieder abfangen konnte.


So ähnlich mussten auch andere sensationelle Entdeckungen wie das Rad, Pfeil und Bogen oder das Jagen entstanden sein. Mit einem mal war mir schlagartig klar, wie ich der Langeweile, wenn Mutter wie immer abwusch, kochte oder Wäsche machte, entkommen konnte.


Sehnsüchtig wartete ich darauf, das Vater endlich wieder 'zur Schicht' musste, und seine Pantoffeln im Flur abgestellt wurden. Der Morgen kam, Vater wurde zur Arbeit verabschiedet und Mutter verschwand wieder in die Küche, um den morgendlichen Abwasch zu machen.


Jetzt war es endlich soweit.
Meine geniale Idee konnte in die Tat umgesetzt werden.
Also, nichts wie hin, die Pantoffel geschnappt und die Treppe rauf.


Jetzt noch schnell die Füße in die Riesen-Pantoffel gesteckt, mit dem Hintern auf die Hacke gesetzt - und ab ging die wilde Fahrt die Treppe runter.


Das passte alles besser als ich es mir ausgemalt hatte. Die Länge der Pantoffeln reichte aus um die Kluft zwischen zwei Stufen zu überbrücken, so das ich, wie auf einer Rutsche, fast die gesamte Treppe runterdüste.


Wieso
fast die ganze Treppe fragst du?


Na, dann bist du ja heute noch so dumm - wie ich als dreijähriger war.


Na ja, wie Eingangs schon erwähnt, machte die Treppe ja leider eine Viertelwendung, und wenn man nicht in der Lage war diese Wendung zu steuern, dann prallte man gegen die Hauswand.


Das hatte ich leider, aber ich war ja auch noch recht klein und dumm, nicht bedacht.
Ich weiß wirklich nicht, ob es angebracht ist das du jetzt über mich lachst.
Bestimmt wärst du garnicht auf diese geniale Idee, mit der Treppe als Rutsche, gekommen. Ätsch!


Außerdem : was ist schon eine Beule am Kopf und eine blutende Nase.
Wenn alle Erfinder so weich gewesen wären, und jetzt aufgegeben hätten, würden wir heute noch ohne Feuer auf dieser Welt leben!


Was schlimmer als dieser fürchterliche Schreck und der Schmerz war, das sollte erst noch folgen.
Na klar hatte ich lauthals zu heulen angefangen!
Mutter, die in der Küche das Poltern auf der Treppe mitbekommen hatte, und dachte ich wäre die Treppe runter gefallen, kam angestürzt um mir das Leben zu retten - dachte ich.

Aber weit gefehlt.

Na klar hatte sie sehr schnell erfasst, was hier vor sich gegangen war, da meine Füße ja leider noch immer in den Pantoffeln steckten. Anstatt meinen Erfindergeist zu loben, und mich erwartungsgemäß mit stolzgeschwellter Brust an die selbige zu nehmen, um mir Trost und Mut zuzusprechen, bekam ich von ihr noch ein Arschvoll oben drauf.

Das reichte mir dann auch für den Tag.
Hatte ich doch jetzt endlich begriffen warum alle großen Abenteurer, Zauberer und Erfinder, in den Geschichten die mir vorgelesen wurden, nie ihre Mutter dabei haben.


ICH WÜRDE AB JETZT AUCH MEINE MUTTER NIEMALS MITNEHMEN AUF MEINE ABENTEUR !!!!
 



Soweit also meine erste bewusste eigene Erinnerung.

Übrigens habe ich es mit viel Training tatsächlich geschafft die GANZE Treppe auf den Pantoffeln runterzurutschen. Der Trick an der Sache war: im richtigen Moment in die Geländerstäbe zu packen. Ich wette das ich spätestens mit vier Jahren einen Pokal in Treppenrutschen gewonnen hätte, wenn es das als Wettbewerb gegeben hätte.






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