der Ausgang


zum Thema Trauma

Er saß vor dem PC und tippte seinen Text, den er wie immer im Kopf hatte. Seine Finger huschten wie von selber über die Tasten, in seinem Gehirn arbeitete es schon am nächsten Werk. 
Es waren wie immer Worte, die aus den Untiefen seiner dunklen Seele kamen, erfüllt von Hass, Trauer, Verzweiflung und Wut. Das Leben war nicht grau für ihn, es war tiefschwarz und depressiv. Eingeschlossen von hohen Mauern, getrennt von der Sonne und den Freuden des Lebens, fristete er ein trostloses Dasein. So waren auch seine Texte, depressiv, sarkastisch, hasserfüllt. 
Was sollte es, da würde er nie wieder rauskommen, seine Finger hämmerten voller Wut auf die Tastatur. 

Zehn Minuten später war er fertig, hatte sich wieder alles von der Seele geschrieben, wie immer die letzten Wochen. Am Anfang hatte es geholfen, er war befreiter, hoffte, so den Ausgang 'back to the life' zu finden, jetzt war es Gewohnheit, es berührte ihn nicht mehr, es war normal geworden für ihn, wie essen, duschen, Zähne putzen. 
Er öffnete das nächste Bier und nahm einen kräftigen Schluck. Irgendwie drängte es ihn, das Getippte nochmal zu lesen, was er schon lange nicht mehr gemacht hatte. Es war ja sowieso immer das gleiche, was er in seinen PC tippte. 

WAS WAR DAS?

Hatte er nicht etwas ganz anderes getippt? 
Er ging in´s Bad und hielt den Kopf lange unter kaltes Wasser. Er musste Halluzinationen haben, ja, das war es. 
Er kam zurück und las erneut, irritiert, verwirrt. Sein Herz schlug bis zum Hals, das sollte er getippt haben? 
Er las einen optimistischen Text, der einen Ausgag in´s Leben aufzeigte, raus aus den Untiefen seiner dunklen Seele. Er kippte das Bier in einem Zug in sich hinein und holte tief Luft, warf sich auf sein Sofa und versuchte nachzudenken. 

Zwei Stunden später war er erstmals seit Wochen wieder in dem kleinen Park, nur wenige Gehminuten von seiner Wohnung entfernt. Er atmete die klare Luft ein und genoß es, den heftigen Wind um ihn herum zu spüren. Sollte er es wirklich schaffen, aus seiner Trauer, seinem Hass herauszukommen?
Früher, mit ihr, war das Leben schön, bunt, lebenswert. Jetzt war es schwarz, depressiv, monoton. 

Oder war es das nicht mehr? 
Er holte tief Luft und schlenderte langsam nach Hause, zum ersten Mal seit Wochen davon überzeugt, dass es für ihn einen Ausgang gab...






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