dein Freund will ich sein
Text zum Buch 'mein Paradies der Hölle'
Band III - 'WeiterLeben'
Ein ganz besonderer Freund will ich dir sein.
Kein Freund, der deinen Willen manipuliert.
Kein Freund, mit Forderrungen oder Wünschen an dich.
Kein Freund, der dich mit seiner Nähe erdrückt.
Kein Freund, der dir unbequem ist.
Ein ganz unauffälliger Freund will ich dir sein.
Kein Freund, dem du Achtung oder Respekt schuldest.
Kein Freund, der dein Leben oder deine Entscheidungen beeinflusst.
Kein Freund, der dich hindert schnell genug auf der Erfolgsleiter vorankommen.
Kein Freund, mit dem du dich auf der Straße nicht zu zeigen wagst.
Ein ganz bequemer Freund will ich dir sein.
Ein Freund, der dir nur Freude macht.
Ein Freund, dem du ruhig aus dem Weg gehen kannst.
Ein Freund, bei dem du das Gefühl hast ihn nicht zu brauchen.
Ein Freund, der dir die Gewissheit und die Freiheit lässt.
Die Gewissheit und die Freiheit, auf meine Freundschaft auch ganz gut verzichten zu können!
...denn siehe:
bevor noch der Hahn dreimal kräht, wirst du mich eh verleugnet haben.
Gewidmet:
meinem ehemals 'besten Freund' Heiko.
Jahrelang haben wir zusammen in einer WG gewohnt.
Frauen, Geld, Freude, Ängste und Sorgen geteilt, und dann das.
Hatte er es, im Gegensatz zu mir, geschafft Erwachsen zu werden?
Dabei war ich doch nur zwei Tage nach ihm zur Welt gekommen...
Unsere Freundschaft endete mit folgendem Satz:
"Da kommt ein Vorgesetzter von mir, der darf uns nicht zusammen sehen..."
"...so wie du aussiehst!".
Meine langen Haare und meine zerschlissenen Jeans störten Heiko.
Er hatte es inzwischen zum Oberamtsmann mit glänzenden Aufstiegschancen gebracht. So glaubte er - es könnte hinderlich für ihn sein, mit mir auf der Strasse gesehen zu werden.