Verlassen

zum Thema Beziehungen



Er liebte doch meine Eierpfannkuchen!
Und mein selbstgemachtes Gulasch kocht keine so gut wie ich. Da bin ich konkurrenzfrei, ehrlich.

Ich habe meine besten Jahre für ihn gegeben, habe ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Seine Wäsche gewaschen, und sogar gestopft, wenn das Geld nicht reichte. Den ganzen Haushalt, neben dem Job, habe ich allein geschmissen. Und ich tat das gerne... wirklich!

Wir gingen 23 Jahre durch dick und dünn, mussten viele Prüfungen bestehen. Ich machte ihn zu meinem Lebensinhalt.

Und nun? Ist dass der Dank?

"Ich ziehe aus. Ich habe da eine Frau kennen gelernt... ich bin total verliebt. Ich ziehe zu ihr", erzählt er mir am Frühstückstisch. Vor Schreck fällt mir die Butter, ursprünglich für das Brötchen geplant, in den heißen Kaffee.

Ich starre ihn an, wie vom Blitz getroffen, und frage:

"Wie... einfach so?".

Und denke:

Als wenn es das normalste im leben währe... phhh, einfach so...
Als würde es mich nicht verletzen. Hallo, bin ich denn aus Stein?

Du willst mich verlassen?

Scheiß Butter!

So eine Frechheit... könnte er nicht wenigstens versuchen so zu tun, als wenn es ihn um uns Leid täte? Nur für den Anstand! Okay, und vielleicht auch ein bisschen für mich. Denn das wäre er mir, nach so vielen Jahren, doch schuldig, oder?

Ich kann noch nicht fassen, was da gerade passiert.
Tausend Gedanken schwirren durch meinen Kopf. Wie gut, dass er sie nicht alle lesen kann.

Zum Beispiel:

'Na warte, wenn sie dich rausschmeißt brauchst du nicht wieder bei mir ankommen', denke ich mit meinem verletzten Herz.

'Obwohl... ich weiß ja, ich könnte dich nicht draußen im Regen stehen lassen', denke ich mit meinem verzeihenden Herz.

Oder:

'Ob er mich wohl doch noch mal heimlich besuchen kommt?'.

Männer sind ja so, denken sich:

'Ich liebe sie beide, aber wegen dieser Eifersuchtszenen, mach ich's lieber heimlich', bloß um einer Diskussion mit Madame aus dem Wege gehen, 'sie muss ja nix davon merken, und so...'.

Ich würde ihm was schönes kochen, denn Liebe geht bei ihm auch durch den Magen.

Immer positiv denken!
Hmmm, ich habe weniger Wäsche zu waschen, weniger Dreck in der Wohnung.
Ha, geht doch...

Aber ich habe dann keinen mehr, der mir den Müll runter bringt.

Oh Gott ich vermisse ihn schon jetzt.
Er wird mir so fehlen. Keiner der fröhlich: 'Guten Abend' flötet, wenn er nach hause kommt. Kein 'Hallo, wie geht es dir?' mehr.
Ich muss mich zusammenreißen.

"Wie alt ist sie denn", versuche ich ihn möglichst emotionsfrei zu fragen.

Will mir keine Blöße geben.
Der soll nicht wissen, dass ich um ihn weine.

"21", säuselt er sichtlich verliebt.

"Sooo jung", schießt es entsetzt aus mir raus.
Ich halte schnell die Hand auf meinen Mund, als könnte ich nicht anders kontrollieren was ich sage.

"Ja, aber alt genug für die Liebe. Kochen kann sie allerdings nicht", schränkt er beiläufig ein, "aber das ist ja auch nicht so wichtig.".

Nun höre sich einer das mal an!
Pha... kochen ist ja nicht so wichtig?

Ganze 23 Jahre stehe ich nun jeden Tag am Herd um dem Herrn ein opulentes Mahl zu bereiten, und nun ist das Kochen auf einmal nicht mehr so Wichtig?

Was hast du in der ersten Zeit geschrieen, wenn das Essen nicht schnell genug fertig war?

Und jetzt ist es nicht mehr wichtig?

Inzwischen habe ich es aufgegeben die geschmolzene Butter aus meinem Kaffee zu retten, und gieße mir einen neuen Kaffee ein.

Natürlich gab es auch mal Streit, aber der war immer wieder schnell verflogen.

Ich liebe ihn.
Ich werde ihn immer lieben. Ich kann nicht anders.

"Was haben wir für schöne Zeiten zusammen erlebt...", versuche ich ihn zu erinnern, "Wie schön waren die Urlaube in Dänemark...".

Seufz... ich schwelge in Erinnerungen.

Mit den Worten:

"Ja, aber das ist ja nun vorbei", holt er mich brutal aus meinen Träumen, "ich habe mich entschieden. Ich habe lange mit mir gerungen. Deinetwegen, aber auch wegen des Geldes.".

"Wie lange hast du mit dir gerungen", will ich wissen, und tue so, als würde es mich nicht wirklich sehr interessieren.

Ich bin cool.

"Wie lange geht das schon mit euch", frage ich.

"Etwa ein Jahr.".

Ich nicke anerkennend.

"So lange also schon, und ich habe es nicht bemerkt. Und nun? Willst du sie mir vorstellen", frage ich zynisch, gekränkt und eifersüchtig.

"Na klar, sie heißt Claudia, und freut sich schon auf dich.".

Hmmh, das glaub ich nicht.
Ich alte verbrauchte Schachtel, bin zwar keine Konkurrenz für diese Claudia, aber das sie sich auf mich freut, dass halte ich denn doch für übertrieben.

Ich sehe es ja ein, aber du wirst mir fehlen.

Das ist nun mal der Lauf der Dinge.
Und auch gut so, denn mit 23 sollte ein Mann auf eigenen Beinen stehen. Schließlich habe ich dich zur Selbstständigkeit erzogen, mein Sohn.

"Ich weiß, du wirst deinen Weg gehen, und kommt mich mal besuchen, ich koche uns dann etwas Schönes", beende ich das Gespräch.





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