Nachruf...

 

Sie hat sich im Netz 'LostAngel' genannt,
nur wenige haben sie richtig gekannt.

Sie ist durch alle Schrecken gegangen,
die Seele tief in den Qualen verfangen.
Jetzt ist sie frei von ihrer Pein,
für manche mag das sogar tröstlich sein.

Nur wir - die sie etwas besser gekannt,
steh'n nun hilflos vor dieser Wand -
hinter die ihr Tod uns jetzt bannt.

Wir gaben uns Mühe sie zu verstehen,
besser auf sie einzugehen.
Von der Klinik als stabil entlassen,
fing sie an, sich selbst nicht mehr ganz so zu hassen.

Ein Flashback muss es gewesen sein,
das Erlebte stürmte wieder auf sie ein.
Irgendwie war sie an die Pillen gekommen,
hat sie in der Panik einfach genommen.

Wollte einfach nicht länger so leben,
keine Angriffsfläche mehr 'dafür' geben.
den trügerischen Frieden vor Augen...

SO jung war sie – fünfzehn Jahre nur...

Intelligent war sie – ihre Mails zeugen davon...
Hilflos war sie – ihrem Erlebtem ausgeliefert...
Einsam war sie – trotz unserer Freundschaft...

und müde war sie - so unendlich müde...
zu müde, um weiter zu kämpfen, um SO zu leben...





Heute, Wochen später, habe ich davon erfahren.
Ich hatte mir über den Abriss des Kontakts keine großen Sorgen gemacht. Längere Pausen zwischen uns waren durchaus normal.

Ich hätte es besser wissen müssen...
Egal wann auch immer, ob in Tagen, Jahren oder Jahrzehnten –

'ES' endet immer erst mit dem Tod...
Bis dahin gibt es einfach keine Sicherheit!
Weder vor den Flashbacks, noch vor dem 'freiwilligen Ausstieg'.

Und...
Ich fühle mich schuldig – weil ich sie nur zu gut verstehen* kann!

In trauriger Erinnerung an dich,
dein AlterMann

ps.
danke dafür, dass ich dich kennen lernen durfte und für dein Vertrauen...

wir sehen uns wieder, früher oder später...

 

 

 



Anmerkung:
*

...wie es ist, wenn man ermordet wurde,
und als Zombie weiterleben muss...

wie es ist, wenn die Erinnerrungen aus dem Schatten ins Licht treten, und man 'ES' immer und immer wieder durchlebt. Wenn man nicht zur Ruhe kommen kann / darf, weil man sonst wieder in diesen Strudel gezogen wird. Das Leben, das man mühsam zu bewältigen versucht, wieder aus den Händen gleitet und einem der Boden unter den Füssen weggezogen wird.

Dieser endlose Sturz durch die grausamen 'Bilder' und 'Geräusche' von einst.
Dieses - den Boden nicht wieder erreichen können, aus dem Horror keinen Ausweg zu finden!
Kein Schutz zu haben vor diesen Überfällen -
die so urplötzlich und unangekündigt über einen hereinbrachen.

Einfach kein – wie auch immer geartetes –
'normales' Leben führen zu können.







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