Stunden, Tage und Wochen... wenn nicht sogar Monate oder Jahre, waren an mir vorbeigezogen. Habe irgendwann das Gefühl für die Zeit verloren...
Eintönig?
Nein, keinesfalls... nie hatte ich Langeweile, oder gar das Gefühl etwas zu vermissen. Ich sah es als Frieden an, meine absolute Zurückgezogenheit von dieser Gesellschaft.
Endlich hatte ich mich eingerichtet, in meiner Bedürfnislosigkeit. Wozu auch noch weiter die Tretmühle der Normen und Werte der Gesellschaft bedienen. Bin ich ein Mensch, ein Individuum, oder nur eine Ameise, deren höchstes Bestreben es ist - in der Menge unterzugehen?
"Die Zeit ist ein langer, zäher Fluss...", habe ich im Kopf. Keine Ahnung woher - ob ein Filmtitel, ein Buch oder ob ein kluger Mensch das mal zu mir sagte, aber auch egal, denn es stimmt einfach nicht.
Die Zeit rast, schneller als gedacht. Gerade erst, so scheint mir, habe ich mich von dem letzten Verlust erholt, schon stecke ich wieder mitten drin – in den verwirrenden Kampf um Liebe und Zuneigung.
Was helfen da schon noch die letzten Jahre der Ruhe und des Friedens?
Nein, nicht doch – bei mir ist alles klar, habe meine Richtlinien nicht verlassen, gönne mir lediglich ein wenig Zuneigung, Wärme und Lust.
Aber – es gehören immer zwei dazu!
Und - ich will nicht mehr zerstören, verletzten, in Tränen ertrinken. Habe mich freiwillig geöffnet, sie zugelassen, und doch schon wieder verloren. Unmerklich, für sie, schleicht das Schreckgespenst der Trennung schon wieder ums Haus.
Kleinigkeiten nur, zunächst. Ich kann nicht zuhören, denke für sie zu schnell und rational – erfasse ihre Gedanken und Probleme, bevor sie die richtigen Worte gefunden hat – um sie auszusprechen. Biete Lösungen und Schlussfolgerungen, statt einfach nur hin- und zuzuhören.
Aber, heißt es denn automatisch – dass ich sie nicht achte, respektiere?
So bin ich eben, ein Helfersyndrom kann man von mir nun mal nicht erwarten. Ich biete nur Richtlinien zur Bewältigung von Problemen, aber nicht die Funktion eines Therapeuten. Für niemanden, selbst für mich nicht mehr. Es bringt nichts, zu versuchen mir seinen Seelenmüll aufzudrängen und von mir zu erwarten, dass ich mir diese Litanei anhöre ohne meine Sicht der Dinge dazu zu sagen.
Reden, einfach so über allgemein gültiges, ist auch nicht möglich. Ich denke und rede von der breiten Masse – als Maßstab meiner Überlegungen. Sie bezieht alles immer auf eine spezielle Person oder Situation. Konflikt und Streit sind also von Haus aus schon vorprogrammiert. Meist schweige ich deshalb lieber, des Friedens willen.
Aber dies ist wiederum absolut gegen meine Natur. Alles schreit in mir auf, will einfach keine falsche Rücksicht mehr nehmen.
Liebe?
Ja sicher, Liebe kenne ich – bin auch bereit sie zuzulassen. Aber sie mir mit meinem Schweigen und Schmeicheln zu erkaufen, der Preis scheint mir einfach zu hoch.
Wenn die Lust die Macht verliert, und Körper wieder zu Trägern von Köpfen werden, in denen sich unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen breit machen, verliert der Wunsch nach Frieden und Ruhe seine Kraft.
Gezielte Provokationen treten immer häufiger an den Tag, ohne willentliche Absicht. Sie brechen einfach so aus mir raus und wollen erforschen, wo die Grenzen von ihr sind.
Ihr Verhalten hingegen ist unbewusst. Ihr Körper reagiert auf seine Weise, automatisch quasi. Von der einstigen Sehnsucht nach meinen liebkosenden Händen ist nicht mehr viel geblieben. Die selben Gesten von vorgestern bewirken nicht mehr dieselben Gefühle in ihr. Instinktiv lässt ihr Körper alles was von mir kommt an sich abprallen.
Tja, so schleicht sich also das Ende einer so intensiv körperlichen Beziehung langsam mit ins Bett. Nicht das ich, oder gar sie, es mit Absicht und Vorsatz zulassen würde, sicherlich nicht. Dazu hat es uns beide zu viel gegeben und bedeutet, aber unbewusst lehnt ihr Körper mich ab, da ich ihren Kopf nicht zufrieden stelle – ihren Litaneien nicht lauschen will.
Sie will mich. Meine Aufmerksamkeit. Das ist der Preis, den ich zu zahlen habe für unsere Liebesnächte voller Leidenschaft und Lust.
Und – das ist mein Problem. Das ist es mir nicht Wert. Ich will sie, auch als Mensch – nicht nur für die Lust, aber nicht für diesen Preis. Ich kann es einfach nicht mehr, will es auch nicht mehr. So wichtig ist mir die Lust denn doch nicht mehr. Bin zu alt, um noch den Affen für ein wenig guten Sex zu machen. Bin im Kopf einfach schon zu alt für solche Spiele.
Ich will Spaß haben mit ihr. Lust genießen, ja sicher... gerne auch ihre Lust.
Doch gerade das verweigert sie mir nun, wenn auch unterbewusst und nicht vorsätzlich. Aber so kann, und will ich auch eben nicht. Mir bringt es so nichts, habe mich zu lange in meinem Leben einfach nur erdulden lassen.