Erzählung zum Thema Erlösung
Der Raum ist abgedunkelt, sie erträgt das Licht nicht mehr.
Schummerlicht, sie liegt auf dem Sofa, blass, abgemagert. Die Krankheit hat sie gezeichnet, sie versucht zu lächeln.
Er hat Fotos mit von ihrem Enkel, sie hat ihn lange nicht gesehen. Vorsichtig hilft er ihr in eine aufrechte Haltung, damit sie die Alben besser ansehen kann. Reisefotos, Sonne, Strand, lachende Menschen, alles das kennt sie von früher. Heute kennt sie Chemotherapie, Medikamente, Schwindelanfälle und Müdigkeit. Erinnerungen tauchen bei ihr auf, wie Nebelfetzen, das frühere Leben, ihre Kinder, Männer, Freunde.
Er hört zu, ruhig, ab und an wirft er etwas ein. Und er hält ihre Hand, mal fest, dann wieder nur leicht.
Er ahnt, es wird das letzte Treffen zwischen Ihnen.
Die Ärzte haben ihr die letzte Hoffnung genommen, sie wartet auf den Tod.
2 Stunden reicht ihre Kraft, dann schickt sie ihn weg, sinkt ermattet in die Kissen, die Augen fallen ihr zu.
2 Wochen später, Palliativmedizinische Station des Krankenhauses.
Morphium, um die Schmerzen zu ertragen, Dahindämmern, das Leben läuft wie ein Film ab...
wann kommt er endlich, der Tod?
Sie hat noch mehrere Tage im Dämmerzustand auf ihn gewartet, ehe er sie endlich erlöste.