BeziehungsWeise

zum Thema Innenwelt

Wann und wodurch sie mir das erste Mal auffiel, dass weiß ich gar nicht mehr so genau. Sie hat sich einfach so in mein Leben eingeschlichen, sich für mich unentbehrlich gemacht.

Ich denke mal, dass es ihre Worte waren die mich auf sie aufmerksam gemacht hatten, denn zu sehen bekam ich sie vorerst nicht.

Kann sein, dass es nur der Reiz des Unbekannten war, was mich so an ihr faszinierte, kann aber auch sein, dass es ihr besonderes Wesen war. So unscheinbar sie mir auch zuerst vorkam, bemerkte ich dann doch schnell, dass nur sie mich wirklich voranbringen konnte, mir mein Leben um so einiges aufregender gestaltete. Ungewohnt war es, immer wieder aufs neue ein Abenteuer, sich mit ihr einzulassen.

Sie spornte mich zu Höchstleitungen an, hob mich empor aus meiner Gleichmut und Anspruchslosigkeit. Sie förderte mich, wo sie nur konnte, ließ keine Gelegenheit aus Forderungen an mich zu stellen, mich anzutreiben.

Es entwickelte sich alles von selbst, so wie es sich bei einer neuen Liebe eben so entwickelt.

Ja, es waren diese schüchternen Annäherungen von mir, die ihr so gefallen haben. Ich hatte ja auch keine Übung in solchen Dingen, war viel zu satt und abgestumpft, um solche Gefühle überhaupt noch zulassen zu wollen. Aber da war eben noch dieser Funken in mir, den sie verstand zu einem lodernden Feuer zu entfachen.

Wie sanftmütig sie war...
Noch nie zuvor hatte ich etwas so anschmiegsames und angenehmes vorher erlebt. Diese Zartheit ihrer Versuche sich meine Gefühle für sich zu sichern, einfach unbeschreiblich. Wenn wir aufeinander trafen, dann gehörte ich ihr stets ganz und gar, hatte nie Zweifel oder Ängste gespürt die mich vor ihr warnen hätten können. Es fühlte sich alles so Richtig und so Gut an, fast so, als wären wir für einander erschaffen worden.

Doch nun, in Anbetracht meiner Lage, kommen mir berechtigte Zweifel.

Sie hat mir nach und nach einfach keinen Freiraum mehr gelassen. Sie fing an mir den Blick auf das Wesentliche zu nehmen, ließ mir keinen Raum mehr für andere Meinungen und gönnte mir auch keinerlei Ruhephasen mehr.

Aus ihren sanften Worten sind gierige Forderungen geworden, schamlos und wütend vorgetragen. Wie eine Furie fing sie an, an mir herumzuzerren, mich mit Vorwürfen zu überschütten und mir ihre Zuneigung zu verweigern. Aus ihren zarten Bitten um meine Aufmerksamkeit, sind maßlose Vorhaltungen und Besitzansprüche geworden.

Abneigung und Verweigerung, so scheint es mir jedenfalls, ist alles was uns beiden noch verbindet. Kein gutes Haar lässt sie mehr an mir, im wahrsten Sinne des Wortes, denn selbst meine grauen Haare lässt sie inzwischen, als Mittel zur Durchsetzung ihrer Daseinsberechtigung, nicht mehr aus.

Verstand sie es früher noch, mich mit einigen wenigen Worten anzuspornen, bringt mich jedoch heute fast jedes ihrer Worte an den Rand des Wahnsinns.

Inzwischen hasse ich sie, so richtig aus tiefsten Herzen...

Sie...
die Unzufriedenheit!





Ich hoffe, der Text hat Dir gefallen, und Du empfiehlst ihn weiter...SeitenAnfang


recreant
recreant
recreant
recreant