Analyse einer meiner depressiven Phase



I. Fragen

Was machen?
Aufstehen - wozu?
Sich im Kummer suhlen, ans Sterben denken - für wen?
Sich erheben und von vorne anfangen - und dann?
An eine Zukunft für dich glauben - wie?
Liegen bleiben, an alte Zeiten denken - mit wem?

II. Hoffnungen

Sich seiner selbst bewusst werden.
Nach vorne sehen.
Die Hoffnungen auf alte Freuden aufleben lassen.
Die Möglichkeit eines Wunders nicht verleugnen.
So kann der Weg neu aufgenommen werden, das kann es sein!




III. Zweifel

Aber der Schmerz in dir, der dir das Denken unmöglich macht.
Kommunikation ist unmöglich, da für dich die Welt menschenleer ist.
Egal ob du vor die Tür gehst, oder aber in deiner Höhle bleibst,
es gibt doch nichts was dir Mut machen kann!
Keiner mehr da der dir hilft oder der dich treibt.
In den Zeiten,
als du noch glaubtest das es Zeiten gibt, in denen man an Zeiten glauben kann in denen alles anders werden kann,
da war der Weg für dich klar.
Es gab keine Zweifel oder Ausweglosigkeit.
Es gab auch noch Menschen,
an denen du sehen konntest das du vom Weg abgekommen warst.

IV. mehr Fragen

Aber so?
Wo war die Zeit geblieben von damals - vorbei?
Wohin sind all die Menschen - ausgestorben?
Wieso ist der Weg verschwunden - zu Ende?

V. Existenz-Zweifel

Was, wenn niemand mehr da ist der deine Vergangenheit kennt, den Augenblick miterlebt, deine Zukunft teilt?
Sagt man nicht, solange noch ein Mensch an dich denkt oder sich an deine Existenz erinnert, bist du nicht tot?
Was aber wenn es keiner mehr macht?
Wenn du für niemanden mehr wichtig genug bist, so das er an dich denkt?
Was, wenn es keine sichtbaren Zeichen für deine Vergangenheit im Leben anderer gibt, so dass du in Vergessenheit versinkst?




Bist du dann gestorben?


VI. fragwürdige Erkenntnis

Das ist also doch schon die andere Seite -
deswegen alles leer und sinnlos.
Wie sollte auch jemand da sein im Reich zwischen hüben und drüben.
Neue Räume müssen erst eingerichtet werde, bevor sie sich mit Leben füllen können. Du musst ganz alleine bestimmen, wie sich die Räume zu gestalten haben, ohne die alt hergebrachten Vorstellungen aus der Vergangenheit. Wenn man ohne Hab und Gut gekommen ist, hat man nichts um sich seine vertraute Welt erneut zu erschaffen.

VII. rettende Allgemeinplätze

Man muss immer erst alles verlieren,
um den Weg zum Besseren frei zu haben.
Du bist noch nie als der selbe Mensch auferstanden - 
als der du zerstört wurdest.
Nach keiner Sekunde deines Seins - 
bist du nicht um diese Sekunde gealtert.
Es gibt keinen Stillstand -
für nichts und niemand.
In dem Augenblick, in dem etwas passiert - 
ist es auch schon Vergangenheit. 
Nur die Erinnerung an Geschehnisse - 
macht einem bewusst das es sie gab. 



VIII. noch mehr Fragen

Würde das aber nicht auch bedeuten, dass man - wenn man vergisst - Dinge ungeschehen macht?
Hat es mich nie gegeben, oder gibt es mich nur jetzt nicht mehr?
Ich bin also an dem Leben das ich leben sollte - oder wollte - gescheitert und dadurch aus diesem Leben ausgeschieden?

IX. Feststellung




Aber ich bin doch noch, ich denke und fühle, also muss ich doch sein.



X. und noch mehr Fragen

Lebe ich nur noch, da ich mich an mich selber erinnere?
Habe ich Platz gemacht für neues Leben?
Werde ich so gezwungen ein neues besseres Leben anfangen?
Ist die Zeit für etwas neues etwas besseres reif,
oder ist eine Zwangspause für die Seele fällig?
Oder ist ganz einfach ein anderer Mensch da, für den ich wichtiger bin,
als für die Personen die mein bisheriges Leben ausmachten?

XI. Resignation und vorläufiges Fazit

Wenn Seelen zu zerbrechen drohen, werden sie außer Verkehr gezogen um sich zu erholen. Diese Menschen mit den verlorenen Seelen können dann am Leben nicht mehr teilhaben, fallen in einen dem Tode ähnlichen Zustand. Es folgen teilnahmslose Gleichgültigkeit, Starrheit und festklammern an gewohnte Rituale, um diesen Zustand zu überstehen. Die einzige Möglichkeit den Körper bis zur Rückkehr der Seele, die neugeboren aus dem Scheitern entsteht, am Leben erhalten.

Pause und zurück zu I.

 


 

Kreislauf, du einzige Verlässlichkeit...






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